StartAktuellNachrichtenMartina Munz auf der Betriebs- und Personalrätekonferenz in Berlin

Martina Munz auf der Betriebs- und Personalrätekonferenz in Berlin

08. Juli 2010 0 Kommentare

Langfristiges Denken, Sicherung von Arbeitsplätzen und die Anerkennung der Arbeit durch Mitsprache im Betrieb müssen wieder ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt werden, denn gerade in der Krise haben sich Betriebsräte als „Krisenmanager“ mit dem nötigen Know-How vor Ort bewährt und eine zentrale Rolle bei der Rettung von Arbeitsplätzen eingenommen. Dieser Austausch mit den Betriebs- und Personalräten war und ist von besonderer Wichtigkeit, denn es gibt immer wieder Tendenzen, genau in dieser Situation eine weitere Flexibilisierung des Arbeitsmarktes zu fordern - dabei besteht Gefahr, dass sich dahinter oftmals der Abbau von Arbeitnehmerrechten verbirgt

Aber die Mitbestimmung hat sich als Standortfaktor bewährt und in den nächsten Jahren wird diese wichtiger denn je sein. Immer mehr Beschäftigte werden befristet eingestellt, bekommen nur Teilzeitstellen oder arbeiten als Leiharbeitskräfte. Die Angst vor Zukunftsperspektiven verhindert, dass Beschäftigte für ihre Interessen im Arbeits- und Gesundheitsschutz oder für eine angemessene Vergütung eintreten. Diese Trends prägen auch die Betriebsratsarbeit nachhaltig und werden auch uns künftig vor neue Herausforderungen stellen.
Solange sich „unten“ nichts verbessert, kommt „oben“ nichts an.

Am 16.Juni 2010 fuhren die Betriebsratsmitglieder der ELANTAS Beck GmbH
Martina Munz und Klaus Bethmann auf Einladung der IGBCE und des Vorsitzenden der SPD in Hamburg Olaf Scholz (stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion,stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD) nach Berlin und nahmen somit an der mittlerweile 13. Betriebs- und Personalrätekonferenz der SPD-Bundestagsfraktion direkt unter der Kuppel des Reichstaggebäude im Otto-Wels-Saal teil.

Gemeinsam wurde mit hochrangigen SPD-Vertretern wie dem Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier, Parteichef Sigmar Gabriel, der Generalsekretärin Andrea Nahles, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion Hubertus Heil und der arbeits- und sozialpolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Anette Kramme unter dem Motto

"Mitbestimmung und Beschäftigungspolitik: Erfolgsmodell, krisengeprüft“
„Faire Arbeits- und Lohnbedingungen für alle Beschäftigten"

über die „Arbeitswelt der Zukunft“ diskutiert.

Themen wie Grundsicherung, Regulierung und Weiterentwicklung von Zeit- und Leiharbeit, Ausweitung des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes auf alle Branchen, Mindestlohn, Rente mit 67 (hier wurde der Tarifvertrag Demografie mit Lebensarbeitszeitkonten der IGBCE lobend als „Entgegenwirkung“ erwähnt), Hartz-IV-Regelsätze und über „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ standen u. a. auf der Tagesordnung der Betriebs- und Personalrätekonferenz. Frank-Walter Steinmeier wies auch auf die aktuelle Initiative für die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung hin.

Düstere Prognosen sehen einen 3-Jahrzehnte langen Fachkräfte- und Qualifizierungsmangel bei gleichzeitig hoher Arbeitslosenzahl voraus und somit war auch der Berufseinstieg junger Menschen mit mehr sozialer Sicherheit, Ordnung und damit verbundenen Zukunftsvisionen der Auszubildenden zentrales Thema der Diskussionen mit der JuSo-Vorsitzenden Franziska Drohsel

Der DGB-Bundesjugendsekretär René Rudolf debattierte über „Faire Bedingungen/Regelungen beim Berufseinstieg junger Menschen“.
Die Besetzung von Ausbildungsplätzen und überbetrieblichen Ausbildungszentren wird immer schwieriger (zuwenig Ausbildung; zu „wenig geeignete Auszubildende)
Darüber hinaus werden zusätzlich bei jungen Mensche zurzeit 4 aktuell entstehende Trends mit Sorge betrachtet:
- Wachsender Leistungsdruck
- Unsicherheiten hinsichtlich mittel- und langfristiger Lebensplanungen (70% keine Übernahme nach der Ausbildung)
- Soziale Ordnung und Integration wird in Frage gestellt, als soziale Ausgrenzung empfunden
- Jugend ist Vorreiter hinsichtlich Präsentismus (bezeichnet das Phänomen, dass kranke Mitarbeiter zur Arbeit erscheinen)
Für Träume, Ziele, Hoffnungen und Chancen müssen wieder Formulierungen gefunden werden. Begriffe Freiheit und Flexibilität werden heute oft nur noch mit damit verbunden, wenn die „materiellen Dinge“ stimmen.

Im weiteren Verlauf der Konferenz äußerten die Betriebsräte in offenen Aussprachen ihre Anliegen und stellten Fragen an die SPD-Politiker.
Auch wir erlebten einen spannenden Tag in unserer Hauptstadt, der schließlich dem Austausch und der Vernetzung mit etwa 300 Kolleginnen und Kollegen aller Branchen aus dem gesamten Bundesgebiet ebenso wie mit der Politik diente.
Klaus Bethmann



 

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